Höhlen im Süntel und Wesergebirge
Ein Bericht von Wolfgang Kunzmann.
Überarbeitete Fassung: (08.06.2010)
Neben den bekannten Höhlen im Süntel (Riesenberghöhle, Schillathöhle) wird den restlichen Höhlen heute noch viel zu wenig Beachtung geschenkt. In der Tat sind die Klein- und Kleinsthöhlen weniger attraktiv, handelt es sich doch ausnahmslos um tektonische, meist enge Höhlen ohne nennenswerte Sinterbildungen. Keine der Höhlen erreicht eine Gesamtlänge von 50 m. Und doch ist die geologisch-geomorphologische Situation gerade am Amelungsberg für das Entstehen von Kluft- und Schachthöhlen in der östlichen Wesergebirgsregion einzigartig. So hat sich der freistehende Amelungsberg im Übergangsbereich zum Süntel bereits vom Wesergebirgskamm gelöst.
Blick auf den AmelungsbergFoto: Wolfgang Kunzmann |
Höhlen am Amelungsberg
Die Schacht- und Klufthöhlen liegen vorzugsweise am nördlichen Grabenabbruch und seinem anschließenden Randbereich. Die Höhlen zeichnen Schwächezonen bzw. Kluftmuster nach, welche durch die nach Norden und auch nach Süden wirkenden Bergrutsch- und Bergsturzkräfte entstanden sind und heute noch entstehen. Außer dem breiten Graben gibt es noch eine Reihe von begleitenden Kluftspalten, die ebenfalls zum Teil (noch) nicht zugängliche Klufthöhlen haben entstehen lassen. Die Silberkuhlen und die Kupferkuhle sind die größten Amelungsberger-Höhlen.
Die Obere Höhle Foto: Salvatore Bologna |
Riesenberg-Höhlensystem
Die Schillathöhle ist eine von mehreren Höhlen im Süntel im nördlichen Weserbergland. Das Gestein hier ist oolithischer Kalkstein aus dem Oxford (oberer Jura, Malm). Diese Schicht wird hier Korallenoolith genannt und ist sowohl für die Höhlenentstehung als auch für den Abbau von großer Bedeutung. Er wird hier im Steinbruch Segelhorst abgebaut. Beim Kalkabbau werden immer wieder Höhlen angeschnitten, so auch die Schillathöhle und die benachbarte Riesenberghöhle.
Die Schillathöhle wurde benannt nach Bodo Schillat, dem langjährigen Vorsitzenden der Höhlengruppe Nord und Entdecker der Riesenberghöhle. Die Riesenberghöhle ist eine der größten Höhlen Niedersachsens mit etwa 818 m Länge. Sie besitzt besonders schöne Tropfsteine und Sinterschmuck, der allerdings sehr empfindlich ist. Deshalb steht sie auch unter Naturschutz und ein Ausbau zur Schauhöhle kam vor Jahren nicht in Frage.
An dieser Stelle muss der Name Bodo Schillat erwähnt werden, welcher mit viel Arrangement dazu beigetragen hat, diese Höhle unter Naturschutz zu stellen.
Die Obere Höhle Foto: Salvatore Bologna |
Höhlen am westlichen Riesenberg
Nicht nur auf dem südlichen Ramsnacken zum steil abfallenden Blutbachtal hin herrscht Neigung zum Bergzerreißen. Auch am Westrand des Riesenbergs, der steil zum Schneegrund abfällt, äußert sich verstärkt diese Tendenz durch den Charakter der hier vorkommenden Höhlen, die eigentlich "von Hause aus" Schichtenfugenhöhlen sein sollten. Auch hier liegt die regionalgeologische Standardsituation für Bergzerreißen vor.
Die Obere Höhle Foto: Salvatore Bologna |
Die Alte Höhle und die Frank-Höhle liegen im ehemaligen Steinbruch, jedoch einige Meter unter der Fossilschicht. Sie sind damit nicht an diese gebunden und ihre Anlage als Kluftfugenhöhle mit nachfolgender Reichversinterung und mit Einsetzen der Bergkräfte zunehmend als tektonische Höhlen zu verstehen. Ähnliches ist von der weiter südlich gelegenen Pionierhöhle zu vermelden. Ein besonderes lohnendes Beispiel für eine durch Bergzerreißen stark übergeprägte Schichtfugenhöhle bietet die benachbarte Obere Höhle, die im Sommer 1954 von Karl Frank entdeckt und erst Anfang 1983 bis zu ihrer heutigen Gesamtausdehnung von einsatzfreudigen Höhlenforschern der Höhlengruppe Nord erforscht werden konnte.
Die Pionierhöhle Foto: Wolfgang Kunzmann |
Höhlen zwischen der Paschenburg und der Schaumburg
Unterhalb der Paschenburg hat sich, wiederum bedingt durch Bergbewegungskräfte am Schichtenstufenhang des Wesergebirges, ein rund 15 Meter breiter Graben aufgetan, der zumindest in der alten Literatur auch einen Namen hat: Wolfsschlucht. Jeweils südlich des nördlichen und des südlichen Grabenabbruchs liegen grabenparallel mehrere Klufthöhlen, die z.T. Schachtcharakter haben und deswegen mit "Loch" enden.
Die SchaumburgFoto: Wolfgang Kunzmann |
Im Zwergenloch können sich, von den Räumlichkeiten her gesehen, in der Tat eigentlich nur Zwerge bewegen, und wenn man in die Paschenburghöhle unmittelbar unter dem Wirtshaus Paschenburg weit genug vordringt, so kann man das Klappern des Geschirrs vernehmen, als wäre es im Raum nebenan. Das Männekenloch ist kein Loch, sondern eher eine Durchgangshöhle. Und das sog. Verbruchsloch ist nicht nur für Höhlenforschern aufgrund seiner unglaublichen Enge eine Herausforderung, auch die archäologische Forschung in der Person von Dr. Cosack (Institut für Denkmalpflege in Hannover) ist mit den Höhlenforschern dabei, steinzeitliche Schätze in Form einer menschlichen Schädelkappe, einer größeren Menge an Knochen und Keramikscherben zu bergen. Für die Höhlenforschung und besonders für die Archäologie bietet sich hier ein weites Arbeitsfeld - wir dürfen auf die kommenden Jahre gespannt sein.
Die Paschenburg.Foto: Wolfgang Kunzmann |
Heute ist die Höhlenkunde oder Speläologie eine neue Disziplin, in welcher Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen mit organisierten Höhlenforschern zusammen arbeiten, die in ihrer freien Zeit viele Stunden ehrenamtlich in und mit den Höhlen verbringen. Höhlenforschung ist Wissenschaft und Abenteuer zugleich. Denn nur in dieser Kombination ist eine seriöse Höhlenforschung sinnvoll. Dabei steht der Höhlenschutz im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
Die Speläologie führt Forscher unterschiedlicher Fachrichtungen zusammen: Biologen erforschen die Arten und individuenarme, aber dennoch verblüffende interessante Fauna und Flora in den Tiefen der Höhlen. Geologen interessieren sich für die Entstehung der Höhlen und der Ablagerung in diesen. Paläontologen graben nach Überresten urzeitlicher Tiere und Pflanzen, während Archäologen und Historiker Spuren menschlicher Besiedlungen nachgehen.
Zum Schluss:
Höhlen sind aber vor allem sehr sensible Ökosysteme und Zeugnisse der geologischen, biologischen und historischen Entwicklung und daher unbedingt in ihrem natürlichen Zustand zu erhalten.
Literatur:
- Meyer, St. (1995)
- Die Frankehöhle im Süntel und ihre Öffnung nach 40 Jahren. Mitteilungen des Speläologen Bund Hildesheim 1994/95, S.68-76.
- Meyer, St. (1995)
- Schatzkammern im Süntel, Höhlenforschung im Weserbergland. Begleitschrift zum Diavortrag, Mitteilungen des Speläologen Bund Hildesheim 1994/95, S.77-88.
- Meyer, St. (1995)
- Der Steinkohlebergbau im Kl. Und Gr. Deister sowie im Osterwald. Mitteilungen des Speläologen Bund Hildesheim 1994/95, S.038-043, 6 Pläne.
- Meyer, St. (1995)
- Vermessung Elfengrundhöhle (Süntel). Mitteilungen des Speläologen Bund Hildesheim 1994/95, S.006-0012, 10 Abb., 2 Pläne.
- Meyer, St. (1995)
- Vermessung Salamanderhöhle (NSG Hohenstein, Süntel). Mitteilungen des Speläologen Bund Hildesheim 1994/95, S.013-0019, 6 Abb., 2 Pläne.
- Meyer, St. (1996)
- Andronischs dentiger (VERHOEFF 1908) eine troglophile Landassel im niedersächsischen Weserbergland. Ber. Naturhist. Ges. Hannover 138 S. 185-189, Hannover 1996.
- Meyer, St. (1996)
- Androniscus dentiger Erster Nachweis dieser Höhlenassel in Norddeutschland. Mitteilungen des Speläologen Bund Hildesheim 1996, S.51-56. und Mitt. d. Verband der deutschen Höhlen und Karstforscher e.V. München 3/1996 S 50.
- Dorsten, I. u. St. Meyer (1996)
- Der Messingsberg bei Steinbergen und seine Klufthöhlen. Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde Harz e.V., Heft 2, S.19-39.
- Meyer, St. (1996)
- Das Dolinen- und Quellenkataster des Süntels (Niedersachsen) nicht Veröffentlicht.
- Meyer, St. (1997)
- Speläologischer Bericht über ein evtl. Bergzerreißen am südwestlichen Messingsberg (Fledermaushöhle und EXPO-Spalten) bei Steinbergen. Unveröffentlichte Stellungnahme für die SSS.
- Meyer, St. (1997)
- Die Franke-Höhle und die Alte Höhle im Süntel. Mitt. Verb. dt. Höhlen- u. Karstforsch. 43 (2) S.32-33, München.
- Dorsten, I. u. St. Meyer (1998)
- Die Weller-Hochfläche im Ost-Süntel und ihre Erforschung, Geologie und Speläologie. Mitteilungen des Speläologen Bund Hildesheim Band 1997.
- Meyer, St. u. I. Dorsten (1998)
- Dokumentation und Sanierung des rezenten Bergzerreißens am Messingsberg (Wesergebirge) bei Steinbergen. Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde Harz e.V. 1998, Heft 3/4.
- Meyer, St. u. I. Dorsten (1999)
- Die Höhlen des Messingsberges (Wesergebirge) bei Steinbergen unter Berücksichtigung eines rezenten Bergzerreißens. Mitteilungen der Höhlen- und Karstforscher e.V. München Heft Nr.3/1999 S.136-141.
- Meyer, St. U. I. Dorsten (1999)
- Der Messingsberg. Mitteilungen des Speläologen Bund Hildesheim Band (in Vorbereitung).
- Meyer, St. (2000)
- Die hydrologische Situation des Eroderer Gelegenheitsbröllers (Kat.-Nr.3722/Q04) im Ost-Süntel. Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde Harz e.V. 2000, Heft 4.
- Dorsten, I. u. St. Meyer (2000)
- Die Verkarstung der Weller-HochflächeWeller im Ost-Süntel (Niedersachsen). Mitt. Verb. dt. Höhlen- und Karstforsch. 46 (4), S. 170-175, 9 Abb., 1 Tab., München 2000.
- Schillat, B. u. St. Meyer (2001)
- Die Suchgrabung in der Langenfelder Höhle, Kat.Nr.3721/02 im Süntel und die Erforschung neuer Höhlenteile. Mitteilungen des Speläologen Bund Hildesheim. 160 S. 45 Farb-Tafeln, 1 Tab., 3 Höhlenpläne, 1 Topo. Karte.
- Meyer, St. (2001)
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- Meyer, St. (2002)
- Der Fünf-Uhr-dreißig-Schacht im Riesenbergsteinbruch (Süntel). Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde Harz e.V. 2002, Heft 1, S.18-20, 2 Pläne.
- Meyer, St. (2002)
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- Meyer, St. (2002)
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- Meyer, St. (2004)
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- Befahrungsbericht 06.06.2004 Riesenberghöhle / Süntel. Der Excentriker Ausgabe 4 Dez. 2004, S 10, 1 Tab..
- Meyer, St. (2004)
- Befahrungsbericht 17.07,2004 Dida - Loch / Süntel. Der Excentriker Ausgabe 4 Dez. 2004, S 10.
- Meyer, St. (2004)
- Übersicht des Dolinenkatasters vom Süntel (Mit Querverweisen zum Höhlen- und Quellenkataster) Stand 08.06.2004. Der Excentriker Ausgabe 4 Dez. 2004, S 9, 1 Tab..
- Fabisch, R. Boguslawski,St. Schillat,B. Marcek, R. Wille, P.(1996)
- Höhlen im Süntel und Wesergebirge Beiheft zum Bericht der Naturhistorischen Gesellschaft Hannover
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