Die Hubertuskapelle im Hainberg
Anno MDCCXXXIII Ego Johannes Friedericus Antonius L.B. (Liber Baro) de Bocholtz Satrapa in Wohldenberg Haec Fieri Feci. Dilecti Posteri Mementote Mei Et Orate Pro Me.
Im Jahre 1733 habe ich, Johann Friedrich Anton Freiherr von Bocholtz, dieses anlegen lassen. Geliebte Nachkommen, gedenket meiner und betet für mich.
Im wunderschönen nördlichen Harzvorland, in der Nähe von Sehlde, liegt auf der mittleren Kette des Hainberges das Jägerhaus (236m N.N). Das Jägerhaus, das heute eine idyllische Waldgaststätte ist, wurde 1838 von Graf Ernst Friedrich Herbert von Münster erbaut, nach dem er das Jägerhausgelände, das ursprünglich zum ehemaligen Zisterzienserkloster Derneburg gehörte, durch einen Tausch seiner Besitzung hinzugefügt hatte.
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Die Hubertuskapelle - Inschrift - Gesamtansicht. Foto: W. Kunzmann / J. Riemann | |
Im Laufe der Jahre erfuhr das Gebäude, mehrere bauliche Veränderungen, wie 1881 den Anbau des Turmes und 1936 den lang gestreckten Anbau. Der lang gestreckte Anbau, soll auf den Reichsjägermeister Hermann Göring zurückgehen, der während des zweiten Weltkriegs alljährlich am 3. November, den Hubertustag in der Hubertuskapelle feierte. Was aber das Jägerhaus zum lohnenden Reiseziel macht, ist die dem Schutzheiligen der Jäger geweihten Hubertuskapelle. Welche sich im Hilssandstein Fels unterhalb des Jägerhauses befindet.
Das Profil im Hainberg Entwurf J. Riemann |
Erdgeschichtlich ist der Hilssandstein dem Mesozoikum zuzuordnen und entstammt der Formation der Kreide, genauer der Unterkreide. Der Hilssandstein ist vor ungefähr 110 Millionen Jahren in küstennahen Gewässern durch Kompression und Zementation feiner Sandkörner mit Ton und Eisenmineralien entstanden.
Der Hilssandstein ist ein mittelkörniger Sandstein, der in grünlicher bis bräunlich hellgrau gefärbten Farbvariationen auftritt. Er weist eine mäßige Festigkeit und eine mäßig bis schlechte Verwitterungsbeständigkeit auf, welche auf die schlechte Kornverbindung aufgrund des tonigen Bindemittels zurück zu führen ist.
Der Hilssandstein hat seine natürlichen Vorkommen in Südostniedersachsen, dem nördlichen Harzvorland und Lutter am Barenberge.
Ein Abbau des Gesteins findet heute nicht mehr statt.
An der Felswand, in der sich die Kapelle befindet, wurde im Jahre 1727 ein Kunstwerk von einzigartiger Schönheit in Stein gemeißelt. Der Schöpfer dieses Kunstwerkes ist nicht überliefert.
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Die Hubertuskapelle - rechts der Blockaltar links der Eingang. Foto: J. Riemann | |
Die Darstellung gibt das Wunder der Bekehrung des Jäger (Hubertus) durch Gott in Hirsch gestalt wieder. Die Hauptfiguren in diesem Relief sind der kniende Hubertus und der, auf einem Felsvorsprung, etwas erhöht stehende Hirsch mit dem Kreuz im Geweih. Umgeben wird diese Szene von den Jagdhunden und dem Pferd, das Hubertus mit seiner Hand am Zügel hält. Den Hintergrund bildet ein Walddickicht. Beim Betrachten der übrigen Felswand, fallen Spuren eines einstigen Häuschens, das wohl eine Einsiedelei oder Schutzhütte gewesen ist auf. Eine 1 m hohe Nische mit anschließendem Rauchfang, sowie Mörtel, Ziegelreste und Anschlüsse eines Daches sind heute noch deutlich zu erkennen. Des Weiteren schmücken den Fels zahlreiche Inschriften, darunter auch welche von berühmten und einflussreichen Persönlichkeiten.
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Die Hubertuskapelle - Details vom Innern und vom Material. Foto: W. Kunzmann | |
Die Kapelle im Inneren des Felsens ließ, wie eine Inschrift an der Westwand dokumentiert, Johann Friedrich Anton von Bocholtz Droste zum Wohldenberg 1733 aus dem Sandsteinfelsen arbeiten. Der Kapellenraum bildet mit einer Höhe von 2,60 m, einer Länge von 2,90 m und einer Breite von 2,60 m ein annäherndes Oval und verfügt an den Längsseiten über zwei gegenüberliegende Zugänge, wobei der nördliche über einen in den Fels gearbeiteten ca. 12 m langen Treppengang zu dem Plateau mit dem Jägerhaus führt und der südliche ein Durchbruch in der Außenwand der Kapelle ist.
An der östlichen Wand steht mittig ein aus dem Fels gearbeiteter Blockaltar. Oberhalb des Altars ist eine Muschelnische, die links und rechts von zwei betenden Putti eingerahmt wird. Den Abschluss der Altarnische bildet das Auge Gottes im Strahlenkranz.
An der Nord- und Südwand ist, in einer etwas anderen Darstellung als das Relief außen, die Hubertuslegende wieder gegeben. Nördlich vom Altar befindet sich Hubertus mit einem Jäger, welcher ein Pferd am Zügel hält. Südlich vom Altar der Hirsch mit einem Kruzifix im Geweih.
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Die Darstellungen - Detail Foto: J. Riemann | |
In dieser Felsenkapelle wurde in vergangenen Zeiten, besonders am 3. November (Hubertustag), das heilige Messoper dargebracht.
Einige vermuten, dass an der Stelle, wo sich heute die Hubertuskapelle befindet, eine Opferkultstätte für altgermanische Götter war.
Doch finden sich für diese Vermutung kein Anhaltspunkte und auch keine Akten oder Urkunden die dieses belegen könnten. Wie alle an der Erdoberfläche anstehenden Gesteine unterliegt auch der Hilssandstein der Kapelle dem vielfältigen Prozess der Verwitterung.
Deutlich sichtbare Schadensphänome sind an der Felswand und im inneren der Hubertuskapelle zu erkennen. Um dieses einzigartige Kunstwerk der Nachwelt erhalten zu können, fanden im letzten Jahr verschiedene Untersuchungen im Rahmen einer Kooperation mit den NLD Hannover und der HAWK Hildesheim in der Fakultät Erhaltung von Kulturgut statt. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen dienen als Vorgabe eines Konservierungskonzeptes, welches nächstes Jahr an der Felswand und der Hubertuskapelle umgesetzt werden soll.
Autor. Jennifer.Riemann@gmx.de
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